11. Februar 2010 Ratgeber

Faszientraining - Einfach und sinnvoll

Das Faszientraining erlebt einen regelrechten Boom, seit in den einschlägigen Fitnessmagazinen davon berichtet wird und viele Menschen begeistert vom Faszientraining aus Yoga-, Pilates- und oder Fitnesstudios erzählen. Beim klassischen Fitness-Workout haben wir in erster Linie unsere Muskeln, nicht aber unsere Faszien im Visier. Aber wozu das ganze?

Die Erfahrung mit Faszientraining zeigt: Es nützt!

Faszien können sich auf Grund von Verletzungen, zu wenig aber auch zu viel Belastung verfilzen, dünn und spröde werden, aber auch verkleben. Das elastische, feinmaschige Bindegewebe-Netz - Faszien genannt - umhüllen unsere Knochen, Muskeln und auch Organe. Sie verhindern Reibung unter den Muskeln und können zu einer verbesserten Körperwahrnehmung und Kondition beitragen. Erfahrungen zeigen: Die betroffene Muskulatur verliert dadurch an Flexibilität und Bewegungsfähigkeit, es kommt zu Nervenquetschungen im verklebten Gewebebereich und es drohen langfristig Verspannungen, Schmerzen oder auch chronischen Rückenbeschwerden.

Es ist also naheliegend, dass vernachlässigte Faszien offenbar mitverantwortlich für die Entstehung von (Rücken)-Schmerzen und weiteren Formen von Beschwerden sind. Faszien gelten sogar als Sinnesorgan, interagieren direkt mit dem selbständig agierenden Nervensystem und reagieren empfindlich auf psychische Belastung. Unter einsatz von zahlreichen, in den Faszienmembranen vorhandenen Dehn-Rezeptoren, prägen sie unsere kinästhetische Wahrnehmung. Dadurch wirken sie entscheidend darauf ein, ob unsereins uns mit geschmeidiger Eleganz und leistungsstarker Effizienz bewegen und nicht zuletzt wie wohl wir uns in unserem eigenen Körper fühlen. Gründe existieren also genug, dieses bislang vernachlässigte Gewebe willentlich mit einem gezielten Faszientraining zu trainieren.

Faszien mit gezielten Übungen trainieren und Beschwerden vorbeugen

Faszien sind ansprech-, beeinfluss- und trainierbar. Mit den richtigen Methoden und einem gezielten Faszientraining können die Faszien auf verschiedene Art trainiert und dadurch langfristig stark und fit gemacht werden. Die Geschmeidigkeit und Elastizität unserer Faszien kann aktiv beeinflusst werden - und das durch eine ganze Reihe an unterschiedlichen Maßnahmen! In der Faszientherapie bei Beschwerden bereits bekannt ist das sogenannte Rollen. Das Faszienrollen ist eine Art Massage, um die Faszien zu lockern. Sogar in der Thai-Massage arbeitet man mit faszialen Trigger- und Dehntechniken. Grundsätzlich besteht das Faszientraining aus vier Komponenten.

  • Federn - Explosionsartige Bewegungen sollen zur Kräftigung des Gewebes beitragen
  • Rollmassage - Die Rollmassage macht die Faszien geschmeidig und löst Verhärtungen und Verklebungen
  • Dehnen - Das Dehnen soll die Beweglichkeit verbessern
  • Körperwahrnehmung - Um das Tiefengefühl zu stärken, bieten sich Übungen zur Körperwahrnehmung an

Faszientraining mit der Faszienrolle - Was SINN macht und was nicht

Die wohl bekannteste und zurzeit sehr in Mode gekommene Art des Faszientrainings ist die Rollmassage. So hört man auch immer wieder die Aussage "Muskeltraining ist out, Faszientraining ist in". Gemäss Dr. Robert Schleip, Leiter des "Fascia Research Project" der Universität Ulm, sei das aber "Blödsinn" (Quelle: Speigel Online, "Faszien Training", 17.02.2015). Das Faszientraining ist zwar sinnvoll, sollte aber lediglich als Ergänzung zu einem konventionellen Workout angewendet werden. Es macht also keinen Sinn, nur die Faszien zu zu trainieren.

Mithilfe der Faszienrolle, welche in vielen Fitnessstudios mittlerweile zur Standardausrüstung gilt, kann somit ein sinnvolles Faszientraining nach einem intensiven Workout eingebaut werden. Je nach Bedarf kann das Faszientraining mit weiteren Faszien Übungen aus anderen Bereichen ergänzt werden, um ein vielseitiges Faszientraining zu gewährleisten. So können Sprung- und Dehnübungen zu einem rundum Faszientraining beitragen.

Beim Faszientraining mit der Faszienrolle ist darauf zu achten, dass die Übungen langsam und nicht hektisch durchgeführt werden sollen. Durch das langsame Vor- und Zurückrollen, kann der Massageeffekt zur lockerung der Faszien beitragen und somit Verklebuungen lösen. Wichtig: Das Faszientraining soll durchaus etwas "zwicken", aber niemals über einen "wohltuenden" Schmerz hinausgehen. Höre also auf deinen Körper und experimentiere mit verschiedenen Härtegraden von Faszienrollen, um das optimale Training für dich zu gestalten.

Schmerzen nach dem Faszientraining - Völlig normal

Wenn du dein Faszientraining mit der Faszienrolle durchführst, kann es durchaus sein, dass du am Tag nach deinem Faszientraining Schmerzen, wie einer Art "Muskelkater", verspürst. Das ist bis zu einem gewissen Grad völlig normal. Durch die langsamen Vor- und Rückwärtsbewegungen bei der Faszienrollmassage wird altes Gewebe abgetragen und vom Körper ausgeschafft. Das ist also ein völliger normaler Vorgang. Aber auch hier: Höre auf deinen Körper! Wenn du das Gefühl hast, dass der Schmerz nicht mehr wohltuend ist, solltest du mit deinem Faszientraining einen Gang zurückschalten. Das Faszientraining soll deinem Wohlbefinden dienen und nicht noch mehr unnötige Schmerzen bedeuten!

Fazit

Das Faszientraining erlebt einen regelrechten Boom! Die Faszien mit gezielten Übungen zu trainieren ist nicht nur hipp, sondern auch äusserst sinnvoll, um Beschwerden vorbeugen zu können. Die Erfahrungen mit dem Faszientraining zeigen auch in der Wissenschaft, dass dieses nützt und durchaus sinnvoll ist. Jedoch sollte das Faszientraining nicht isoliert, sondern in Kombination mit einem regulären Workout angewendet werden. Wohltuende Schmerzen können vor allem bei deinen ersten Faszientrainings durchaus auftreten, sollten aber nicht unangenehm sein. Hier ist es wichtig, auf deinen Körper zu hören und es nicht zu übertreiben.